4. Chassis Balance – Rahmengeometrie – Durchhang
Der wohl am meisten unterschätzte externe Einsteller an deinem Bike ist der Vorspannungseinsteller am
Federbein. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass man diesen Einsteller als Höhenversteller des Hecks zum tiefer- oder höherlegen desselbigen benutzt. Richtig ist zwar, dass sich die Höhe des Hecks mit einer
Veränderung der Vorspannung in gewisser Weise ändert, allerdings sind die Auswirkungen
weitreichender.
Spannen wir die Feder am Heck weiter vor, verringern wir den Durchhang. Analog dazu wird der
Durchhang größer, wenn wir Vorspannung aus der Feder rausnehmen. Wie bereits geklärt, ändert das die
Höhe des Hecks. Das hat wiederum zur Folge, dass die Gewichtsverteilung zwischen Heck und Front
geändert wird. Wird die Vorspannung erhöht, wird mehr Gewicht zur Front übertragen. Wird die
Vorspannung verringert, wird weniger Gewicht zur Front übertragen.
Setzen/Stellen wir nun einen Fahrer auf das Bike, wird das ganze komplizierter:
Fahrergröße, Fahrstil und Gewicht des Fahrers sind nun weitere Variablen, die Einfluss auf die Balance
des Bikes haben. Die Balance des Bikes hat einen sehr großen Effekt auf das Kurvenverhalten, den
Geradeauslauf und das allgemeine Gefühl, dass Sie von Ihrem Dämpfer und von Ihrer Gabel haben!
Richtig gelesen, der Durchhang hat auch Einfluss auf die Performance der Gabel.
Oft hört man den Satz „Durchhang hab ich eingestellt; der passt“. Die meisten Fahrer meinen damit, dass
sie den statischen (Einsinken des Dämpfers durch das Eigengewicht des Bikes) und dynamischen
(Einsinken des Bikes mit dem Fahrer auf dem Bike) Durchhang nach den Angaben aus dem Handbuch
eingestellt haben. Damit haben sie zwar schon einen sehr wichtigen Schritt in die richtige Richtung
gemacht, aber das Potential dieses Einstellers noch nicht ausgeschöpft.
Hier ist eine kleine Testreihe erforderlich:
1. Stelle den statischen Durchhang auf den im Handbuch angegeben Wert oder einen Mittelwert aus
dem angegebenen Intervall ein, z. B. 33 mm oder 25-35 mm –> 30 mm.
2. Fahre eine Testeinheit mit dieser Einstellung.
3. Erhöhe nun die Vorspannung um zwei Umdrehungen. Du fährst jetzt weniger Durchhang als
vorher. Teste die Einstellung und vergleiche diese zur ersten Testeinheit.
4. Verringere jetzt die Vorspannung um vier Umdrehungen, damit bist du bei zwei Umdrehungen
weniger als beim ersten Test. Fahre auch hier wieder eine Testeinheit und entscheide, welche der
drei Tests dir das beste Gefühl gegeben hat. Du wirst überrascht sein, wie groß sich diese drei
Tests unterscheiden.
Es mag etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber diese Zeit ist gut angelegt.